Kunstleder und Naturleder sind zwei völlig unterschiedliche Materialien, von denen nur letzteres ein vollwertiger Rohstoff für die Sattlerei ist. Naturleder ist ein organisches Material, meistens Rindsleder, das einem Gerbungsprozess unterzogen wurde, während Kunstleder (Skai) ein synthetisches Material ist, das mit einer dünnen Schicht Polyurethan oder PVC beschichtet ist. Die Wahl zwischen ihnen bestimmt nicht nur das Aussehen des fertigen Produkts, sondern vor allem seine Haltbarkeit und die Verarbeitungstechniken, die du in der Werkstatt anwenden kannst.
Wodurch unterscheiden sich Kunstleder und Naturleder?
Naturleder atmet, nimmt Feuchtigkeit auf und altert mit der Zeit wunderschön, wobei es eine einzigartige Patina entwickelt. Jedes Stück hat seine eigenen Maserungen, feine Narben und eine unterschiedliche Struktur, was das fertige Produkt einzigartig macht. Kunstleder ist völlig uniform, luftundurchlässig und entwickelt keine Patina – mit den Jahren reißt und blättert es an den Biegungen ab.
Stell dir den Querschnitt von Naturleder wie einen dichten, alten Wald vor, in dem kräftige Kollagenfasern in einer komplizierten, dichten Struktur miteinander verwoben sind. Kunstleder ist eher wie Rollrasen – eine dünne Schicht glatten Kunststoffs, die auf ein loses Stoffnetz geklebt ist.
Für die einen ein Nachteil, für die anderen ein Vorteil – Kunststoffe locken mit niedrigen Preisen und einer makellos glatten Oberfläche ohne Fehler. Im klassischen Handwerk nimmt diese Sterilität den Projekten jedoch die Seele. Darüber hinaus schließen synthetische Materialien traditionelle Sattlertechniken wie das Nassformen oder das Kantenfinish mit handwerklichen Wachsen völlig aus.
Wofür eignet sich Kunstleder vs. Naturleder?
- Premium-Lederwaren (Naturleder): Gürtelriemen, Geldbörsen und Taschen, die jahrelang halten sollen. Hier werden meist Stärken von 1,2 mm bis 3,5 mm verwendet.
- Messer- und Holsterscheiden (Naturleder): Nur pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Stärke von 3 mm oder mehr ermöglicht das Nassformen und sichere Halten der Klinge.
- Günstige Polsterung (Kunstleder): Sitzbezüge für Stühle oder Autoinnenräume bei Budget-Projekten, bei denen die niedrigen Kosten pro Quadratmeter entscheidend sind.
- Prototyping (Kunstleder): Wird manchmal von Anfängern verwendet, um günstige Probemuster zu nähen, bevor das teure Material wie echtes Vollnarbenleder zugeschnitten wird.
Wie wählt man aus und worauf sollte man achten?
Wenn du mit traditionellem Lederwerkzeug arbeiten möchtest, gibt es nur eine Wahl. Naturleder ermöglicht das Kantenfinish (Burnishing), präzises Skiving und eine ästhetische Ausarbeitung der Details. Synthetische Fasern fransen beim Schneiden oft aus, und die Kante von Kunstleder kann nur durch Umklappen des Materials oder Auftragen einer dicken Schicht Kantenfarbe bearbeitet werden.
Achte auch auf den Geruch und die Haptik. Echtes tierisches Material hat ein charakteristisches, erdig-holziges Aroma. Kunststoffe riechen nach Chemie und fühlen sich wie Wachstuch an, was sofort ihre Herkunft verrät. Eine praktische Methode, um Naturleder (insbesondere wenn pflanzlich gegerbtes Leder verwendet wurde) von Kunstleder zu unterscheiden, ist der Wassertropfentest. Pflanzlich gegerbtes Leder nimmt den Tropfen schnell auf und dunkelt an dieser Stelle leicht nach, während auf Kunstleder das Wasser an der Oberfläche bleibt.
Produkte aus unserem Sortiment
Bei CraftPoint konzentrieren wir uns ausschließlich auf traditionelles Handwerk, daher findest du bei uns kein Kunstleder. Stattdessen bieten wir bewährte natürliche Materialien an:
- Naturleder — eine vollständige Auswahl an Rohstoffen für jede Art von Sattlerprojekten.
- Maya Leder — das Flaggschiff-Leder unseres Shops mit einem einzigartigen, rohen Finish.
- Rindsleder — strapazierfähige Materialien, ideal für Gürtelriemen, Taschen und schwerere Lederwaren.
- Pflanzlich gegerbtes Leder — ein Rohstoff, den du selbst färben, prägen und formen kannst.
Siehe auch
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