Lederfärben (häufig gleichgesetzt mit dem Färben) ist der Prozess einer dauerhaften Farbveränderung von echtem Leder mithilfe spezieller Lederfarben, eindringender Farbstoffe oder deckender Pigmente. Im traditionellen Handwerk betrifft dies fast ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder, das aufgrund seiner offenen Poren in der Lage ist, flüssige Farbstoffe aufzunehmen. Das Verständnis der Mechanik dieses Prozesses ist von entscheidender Bedeutung für die Ästhetik und Haltbarkeit jeder handgefertigten Geldbörse, jedes Gürtels oder Holsters.
Dieser Vorgang ermöglicht es dem Handwerker, das rohe Material vollständig zu personalisieren. Beim Kauf von ungefärbtem Juchtenleder erhält der Sattler eine leere Leinwand, auf der er eine einheitliche Farbe auftragen, antike Scheuerstellen erzeugen oder präzise Details malen kann.
Worum geht es beim Lederfärben?
Um den Prozess des Lederfärbens vollständig zu verstehen, muss man zwei grundlegende Ansätze unterscheiden: das eindringende Färben (engl. *dyeing*) und das oberflächliche Malen (engl. *painting*). Stellen Sie sich ungefärbtes pflanzlich gegerbtes Leder wie ein saugfähiges Holzbrett vor. Eindringende Farbstoffe dringen tief in seine Struktur ein, ähnlich wie Beize in die Holzmaserung, und bewahren die natürliche Narbenstruktur. Deckende Lederfarben, z. B. Acrylfarben, wirken dagegen wie eine dichte Emaille – sie bilden auf der Oberfläche eine elastische Schale, die die Poren und natürlichen Unebenheiten des Materials vollständig abdeckt.
Und hier liegt ein häufiger Anfängerfehler: der Versuch, chromgegerbtes oder fabrikmäßig veredeltes Leder mit eindringenden Farbstoffen zu färben. Chromgegerbtes Leder sowie farbiges Leder, das in der Gerberei bereits mit Wachsen oder Lacken versiegelt wurde, weist Flüssigkeiten ab. Das Auftragen eines alkoholbasierten Farbstoffs führt zu einer klebrigen, schmierenden Schicht, die niemals in die Fasern eindringt. Derartige Materialien nehmen keine zusätzlichen Lederfarben auf.
In der Sattlerwerkstatt werden am häufigsten Farbstoffe auf Alkohol- oder Ölbasis verwendet. Erstere, bekannt für schnelles Trocknen und tiefes Eindringen, bieten sehr kräftige Farben, trocknen das Leder aber stark aus. Ölbasierte Farbstoffe (häufig als *Pro Dye* bezeichnet) trocknen etwas länger, sorgen aber für eine gleichmäßigere Deckkraft und entziehen dem Narben weniger natürliche Fette. Es gibt auch wasserbasierte Präparate, die geruchsneutral und leichter zu reinigen sind, obwohl sie das Material meist nicht so tief durchdringen wie ihre alkoholischen Pendants.
Unabhängig von der gewählten Chemie erfordert der Prozess stets eine angemessene Vorbereitung. Das Leder muss sauber und leicht angefeuchtet sein. Nach dem Auftragen der Farbe und dem Trocknen sollte die Oberfläche kräftig mit einem trockenen Tuch poliert werden, um überschüssiges Pigment zu entfernen. Anschließend wird eine Deckschicht (Finish) aufgetragen, die die Farbe vor Abrieb und Feuchtigkeit schützt.
Wann wendet man das Lederfärben an?
Das Färben und Malen von Leder findet in verschiedenen Phasen der Projektarbeit Anwendung:
Farbänderung der gesamten Oberfläche
Die häufigste Anwendung: Auftragen einer einheitlichen Farbe auf rohes Juchtenleder mit einem Schwamm, Wollpinsel (Dauber) oder einer Airbrush-Pistole.
Antik-Finish
Einreiben dicker, gelartiger Pasten in geprägte Muster. Das dunkle Pigment setzt sich in den Vertiefungen ab, während der Narben abgerieben wird – dies erzeugt einen Tiefeneffekt und eine gealterte Optik.
Kantenmalerei
Auftragen deckender Lederfarben (Edge Paint) auf die Ränder von chromgegerbtem Leder, das sich nicht zum Burnieren eignet.
Künstlerische Details
Verwendung feiner Pinsel und Acrylfarben zum Malen präziser Muster, Initialen oder Illustrationen direkt auf den Narben.
Retuschieren von Kratzern
Punktuelles Auftragen von Lederfarbe, um Beschädigungen des Narbens an fertigen Produkten zu kaschieren.
Wie wählt man aus und worauf ist zu achten?
Bei der Auswahl der Chemie zum Lederfärben müssen Sie zunächst die Art des vorhandenen Materials beurteilen. Arbeiten Sie mit rohem pflanzlich gegerbtem Leder, sind eindringende Farbstoffe (z. B. Fiebing's Pro Dye) die richtige Wahl. Sie sorgen für eine dauerhafte Farbe, die beim Biegen eines Gürtels oder einer Geldbörse flexibel bleibt. Wichtig ist die Wahl des Trägers – ölbasierte Lederfarben verzeihen mehr Fehler beim Auftragen mit dem Schwamm und hinterlassen weniger Streifen als rein alkoholbasierte.
Beachten Sie, dass das Leder nach jedem eindringenden Färben steifer wird. Später ist das Auftragen von konditionierenden Ölen oder Wachsen erforderlich, um die natürliche Geschmeidigkeit wiederherzustellen und das Pigment vor dem Abfärben auf Kleidung zu schützen.
Produkte aus unserem Sortiment
In unserem Shop finden Sie professionelle Chemie zum Färben und Veredeln von Leder:
- Lederfarben – breite Auswahl an Präparaten zur Farbveränderung, sowohl eindringend als auch deckend.
- Fiebing's Produkte – legendäre Sattlerchemie, darunter die geschätzten Pro Dye Farbstoffe und Antique Finish Pasten zum Antikisieren.
- Lederwachse und -öle – unverzichtbare Präparate zur Konditionierung des Leders nach aggressivem Alkoholfärben.
- Tokonole – japanisches Präparat, das sich hervorragend zum Glätten und Versiegeln von Kanten nach dem Färben eignet.







