Prickrad (häufig auch als *Overstitch Wheel* oder *Pricking Wheel* bezeichnet) ist ein klassisches Lederwerkzeug mit einem rotierenden Zahnrad, das zum Markieren gleichmäßiger Abstände für die spätere Naht dient. Es erleichtert das Einhalten eines gleichmäßigen Handstichrhythmus und ermöglicht eine saubere Endbearbeitung vorhandener Nähte. Im traditionellen Sattlerhandwerk ist es die absolute Grundlage für die Arbeit mit dickem Leder.
Was zeichnet ein Prickrad aus?
Der Aufbau eines Prickrads ist relativ einfach, erfordert aber hohe Präzision in der Herstellung. Das Werkzeug besteht aus einem Holz- oder Metallgriff, einem stabilen Schaft und einem rotierenden Rad am Ende. Dieses Rad leistet die gesamte Arbeit. Je nach Modell können die Zähne am Umfang scharf (wie kleine Stacheln) oder leicht abgerundet sein. Das Werkzeug wird entlang der Materialkante geführt, meist in einer zuvor mit einem Rillzieher gezogenen Rille, und auf die Oberfläche gedrückt.
Stellen Sie sich das Fahren mit einem Fahrrad auf weichem, feuchtem Sand vor – der Reifen mit einem ausgeprägten Profil hinterlässt eine perfekt gleichmäßige, sich wiederholende Spur, die den genauen Weg vorgibt. Ein Prickrad funktioniert nach dem gleichen Prinzip: Es rollt über die Narbenoberfläche und hinterlässt eine Reihe gleichmäßiger Punkte.
Es ist wichtig, zwei Hauptfunktionen dieses Werkzeugs zu unterscheiden, die sich aus seinen englischen Bezeichnungen ergeben. Ein *Pricking Wheel* hat scharfe Zähne und dient ausschließlich zum Anstechen des Narbens, um die Stellen zu markieren, durch die später die Sattlerahle geführt wird. Ein *Overstitch Wheel* hingegen hat stumpfe, leicht abgerundete Zähne. Es wird nach dem Nähen über die fertige Naht gerollt. Dieser Vorgang drückt den Faden in den Narben, gleicht die Stichlage aus und verleiht der Naht ein kompakteres und professionelleres Aussehen. Der Unterschied mag gering erscheinen, entscheidet aber in der Praxis über das finale Erscheinungsbild des Projekts und die Haltbarkeit des Fadens, der durch das Andrücken weniger anfällig für Abrieb ist.
Traditionelle Prickräder werden oft als Sets mit austauschbaren Rädern angeboten. Dies ermöglicht einen schnellen Wechsel der Stichdichte, ohne mehrere separate Werkzeuge kaufen zu müssen. Dafür muss lediglich eine kleine Schraube zur Fixierung der Achse gelöst werden. Hochwertige Profi-Modelle haben jedoch fest montierte Räder, was seitliches Spiel eliminiert und höchste Präzision beim Führen der Linie garantiert.
Wo wird ein Prickrad eingesetzt?
Das Prickrad ist ein Werkzeug mit mehreren sehr spezifischen Aufgaben in der Werkstatt, die dort zum Tragen kommen, wo andere Methoden versagen.
- Anreißen der Naht für die Ahle: Hauptanwendung im traditionellen Sattlerhandwerk. Das Prickrad hinterlässt Punkte, durch die der Handwerker das Leder mit der Ahle während des Nähens auf dem Nähkloben durchsticht.
- Ausgleichen der fertigen Naht (Overstitching): Das Rollen eines stumpfen Prickrads über die fertige Handnaht drückt die Fäden an, gleicht ihre Spannung aus und verleiht dem Ganzen ein sehr ästhetisches, professionelles Aussehen.
- Arbeiten an Kurven und Rundungen: Prickeisen haben eine gerade Zahnreihe, was die Arbeit an engen Kurven erschwert. Ein Prickrad hingegen überwindet aufgrund des minimalen Kontaktpunkts mit dem Material selbst die kompliziertesten Bögen mühelos.
- Kantenverzierung: Bei einigen Projekten (insbesondere im Western-Stil) wird das Prickrad verwendet, um dekorative, geprägte Linien an den Kanten von Gürtelriemen oder Holstern zu erzeugen, selbst ohne anschließendes Nähen.
- Übertragen von Schnittmustern: Ein scharfes Prickrad eignet sich hervorragend zum Kopieren von Papierschablonen auf Leder oder Karton. Das Rollen des Werkzeugs entlang der Schablonenkante hinterlässt eine deutliche Punktlinie auf dem Material.
Wie wählt man ein Prickrad aus und worauf sollte man achten?
Beim Kauf eines Prickrads ist der wichtigste Parameter der Zahnabstand (oft als SPI – *stitches per inch* – also Stiche pro Zoll, oder in Millimetern angegeben). Die gängigsten Größen sind 3 mm, 4 mm, 5 mm und 6 mm. Für feine Lederwaren wie Geldbörsen oder Uhrenarmbänder wählen Sie einen Abstand von 3 mm oder 4 mm. Für Gürtelriemen, schwere Taschen oder Messerscheiden ist ein Abstand von 5 mm oder 6 mm deutlich besser geeignet.
Achten Sie auf die Qualität der Radachse. Bei günstigen Werkzeugen hat das Rad oft seitliches Spiel (es wackelt). Dies führt dazu, dass die markierte Nahtlinie nicht perfekt gerade ist, was bei einer Handnaht sofort ins Auge fällt. Wenn Ihr Budget es zulässt, wählen Sie ein Werkzeug mit fest montiertem Rad. Wenn Sie Kosten sparen und Vielseitigkeit wünschen, sind Sets mit austauschbaren Rädern ein guter Kompromiss für den Anfang, vorausgesetzt, die Fixierschraube wird fest angezogen.
Wichtig ist auch die Ergonomie des Griffs. Die Arbeit mit einem Prickrad erfordert einen hohen Kraftaufwand, insbesondere bei hartem, pflanzlich gegerbtem Leder. Der Griff sollte sicher in der Hand liegen und eine ausreichende Länge haben, damit das Ende in der Handfläche aufliegt. So kann das Körpergewicht auf das Werkzeug übertragen werden, ohne das Handgelenk zu ermüden.
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Bei CraftPoint finden Sie Werkzeuge, die Ihnen beim präzisen Anreißen und Vorbereiten des Leders zum Nähen helfen. Wenn Sie nach Lösungen zum Markieren von Nähten suchen, sehen Sie sich diese Kategorien an:
- Lederwerkzeug — das gesamte Sortiment an Werkzeugen, die die Lederverarbeitung und die Vorbereitung zum Nähen erleichtern.
- Spitzzirkel — eine hervorragende Alternative und Ergänzung zum Prickrad, die zum Anzeichnen einer parallelen Linie zur Kante dient.
- Prickeisen — die moderne Alternative zum Duo aus Prickrad und Ahle, mit der das Leder sofort für die Naht durchstochen wird.
- Sattlerahlen — ein unverzichtbares Werkzeug, wenn Sie sich für das traditionelle Anreißen mit dem Prickrad und das manuelle Durchstechen des Narbens entscheiden.







