Lederfarbe ist ein spezielles chemisches Präparat, dessen Hauptaufgabe darin besteht, die Farbe von rohem, natürlichem Leder dauerhaft zu verändern oder ihm den gewünschten Farbton zu verleihen – meist bei pflanzlich gegerbtem Leder. Anders als gewöhnliche Oberflächenfarben wirken professionelle Lederfarben, indem sie tief in die Kollagenfaserstruktur eindringen, wodurch die natürliche Textur und das Narbenbild erhalten bleiben. In der Werkstatt eröffnen sie vielfältige Möglichkeiten zur Personalisierung – von gleichmäßigen, tiefen Farbtönen bis hin zu komplexen Schattierungen, Patina-Effekten und Alterungsoptiken. Das Verständnis der verschiedenen Lederfarben-Typen ist die Grundlage für jeden, der über fertig eingefärbte Vollleder hinausgehen und die volle Kontrolle über die Ästhetik seiner Projekte übernehmen möchte.
Welche Arten von Lederfarbe gibt es und wie wirken sie?
Um die Wirkungsweise von Lederfarbe vollständig zu verstehen, muss man zunächst zwei grundlegende Begriffe unterscheiden, die oft in einen Topf geworfen werden: eindringende Farbmittel und deckende Oberflächenfarben. Im traditionellen Sattlerhandwerk werden fast ausschließlich eindringende Farbmittel verwendet. Stellen Sie sich rohes pflanzlich gegerbtes Leder als einen dichten, trockenen Schwamm vor. Wenn Sie ein eindringendes Farbmittel auftragen, zieht die Flüssigkeit tief in die Poren ein und verändert die Farbe des Materials von innen heraus. Eine Acryl-Oberflächenfarbe hingegen würde wie ein dicker Zuckerguss auf einem Kuchen wirken – sie bedeckt die Struktur von außen und bildet eine neue, künstliche Schicht, dringt aber nicht in die Tiefe ein.
Historisch gewannen Handwerker ihre Lederfarbe aus der Natur – sie verwendeten Walnussschalen für Brauntöne oder eine Mischung aus Essig und Eisenrost für tiefes Schwarz. Die moderne Gerberchemie basiert auf hochentwickelten synthetischen Pigmenten, die in einer von drei Hauptträgerlösungen gelöst sind: Alkohol, Öl oder Wasser. Jede dieser Basen verhält sich bei der Anwendung unterschiedlich und erfordert eine andere Herangehensweise in der Werkstatt.
Lederfarbe auf Alkoholbasis ist der älteste und traditionellste Typ moderner Farbmittel. Sie zeichnet sich durch blitzschnelle Trocknungszeit und sehr aggressive Penetration der Fasern aus. Alkohol als Lösungsmittel verdunstet schnell und hinterlässt das Pigment tief in der Struktur. Das hat jedoch seinen Preis – Alkohol entzieht dem Leder stark Feuchtigkeit und spült natürliche Fette aus. Nach der Verwendung solcher Lederfarbe wird das Material oft steif und benötigt eine intensive Pflege (z. B. mit Lederöl), um seine Flexibilität wiederzuerlangen.
Eine verbesserte Version sind alkoholbasierte Lederfarben mit Ölzusatz (wie die geschätzte Pro Dye-Serie von Fiebing's), die in vielen Werkstätten zum Standard gehören. Obwohl sie auf Alkohol basieren und schnell trocknen, ist das Pigment mit einer Ölkomponente verbunden. Diese Formel erleichtert das gleichmäßige Auftragen der Farbe erheblich, ohne sichtbare Schlieren oder überlappende Schichten zu erzeugen. Zudem sorgt der Ölzusatz dafür, dass das Leder nicht so stark austrocknet wie bei der klassischen Alkoholbasis und dabei einen angenehmen Griff und Flexibilität behält.
Die dritte Gruppe sind Lederfarben auf Wasserbasis (z. B. aus der Eco-Flo-Linie). Sie sind umweltfreundlich, geruchsarm und sicher für den Einsatz in kleinen, geschlossenen Räumen. Sie trocknen am langsamsten von allen, was viel Zeit für Farbmanipulationen lässt. Wasser neigt jedoch dazu, mikroskopisch kleine Fasern auf der Lederoberfläche aufzurichten (das sogenannte Aufstellen des Fasern), was nach dem Trocknen ein leichtes Abschleifen oder Glätten des Narbens erforderlich machen kann. Außerdem dringen sie in der Regel nicht so tief ein wie lösungsmittelbasierte Varianten, insbesondere bei sehr dichten, harten Rindsleder-Kruponstücken.
Wofür verwendet man Lederfarbe?
Die Einsatzmöglichkeiten von Lederfarbe in der Sattlerei sind äußerst vielfältig und hängen von der Auftragstechnik sowie der Vision des Handwerkers ab. Konkrete Anwendungen umfassen:
- Flächiges Einfärben großer Flächen: Auftragen von Lederfarbe auf ganze Häute oder große Zuschnitte (z. B. für Taschen aus Rindsleder mit einer Stärke von 1,5–2,0 mm). Erfordert die Verwendung eines hochdichten Schwamms oder eines Stücks Schafsfell sowie Lederfarben mit Ölzusatz, die das Risiko von Schlieren minimieren.
- Tauchfärbung: Einfärben kleiner Teile wie Gürtelschlaufen oder Sattlerriemen durch vollständiges Eintauchen in einen Behälter mit Lederfarbe. Ermöglicht eine gleichmäßige Deckung und maximale Penetration, einschließlich der Färbung der rohen Kante.
- Kantenabschattung: Erzeugen eines Farbverlaufseffekts, bei dem die Ränder des Werkstücks dunkler sind (z. B. schwarz oder dunkelbraun) und fließend in eine hellere Mitte übergehen. Eine äußerst beliebte Technik bei der Herstellung von Leder für Messerscheiden aus dickem Leder (3,0–4,0 mm) und Holstern. Der Airbrush-Auftrag eignet sich hierfür besonders gut.
- Patina und Veredelung: Verwendung spezieller Pasten und Gele (z. B. Antik-Finish) auf pflanzlich gegerbtem Leder mit einer Mindeststärke von 2 mm, das zuvor geprägt wurde. Die dickflüssige Lederfarbe dringt in die Vertiefungen der Prägung ein und wird von den Erhebungen abgewischt, wodurch die Dreidimensionalität des Musters deutlich hervorgehoben wird.
- Präzise Detailbemalung: Verwendung feiner Pinsel und Lederfarbe auf Wasserbasis zum Kolorieren kleiner, mit dem Drehmesser geschnittener Elemente wie Blätter oder Blüten im Sheridan-Stil.
- Korrektur roher Kanten: Einfärben des Rands eines Gürtels oder Portemonnaies vor dem Auftragen von Endbearbeitungsmitteln. Dadurch fügt sich die Kante nach dem Polieren farblich gut in das Narben des Leders ein.
Worauf sollte man bei der Auswahl von Lederfarbe achten?
Für erfahrene Handwerker mag es eine Kleinigkeit sein, aber für Anfänger bestimmt die Wahl der richtigen Lederfarbe den gesamten Gestaltungsprozess. Ein häufiger Anfängerfehler ist der Versuch, Nappaleder oder Leder mit einer werkseitigen Oberflächenbehandlung zu färben. Eindringende Lederfarben sind ausschließlich für natürliches, pflanzlich gegerbtes Leder (im Crust-Finish) sinnvoll. Versucht man, Lederfarbe auf Nappaleder oder farbiges korrigiertes Narbenleder aufzutragen, perlt die Flüssigkeit einfach von der Oberfläche ab, dringt nicht ein und reibt sich beim ersten Kontakt mit der Hand oder Kleidung wieder ab. Nappaleder hat eine geschlossene Struktur, die keine zusätzlichen Chemikalien mehr aufnimmt.
Bei der Wahl der Basis der Lederfarbe sollten Sie sich an der Größe des Projekts orientieren. Wenn Sie einen langen Gürtelriemen (z. B. aus Rindsleder mit 3,5 mm Stärke) oder ein großes Taschenelement einfärben möchten, greifen Sie zu Lederfarben mit Ölzusatz oder auf Wasserbasis. Deren Formel verzeiht kleine Fehler und ermöglicht ein nahtloses Verbinden aufeinanderfolgender Schwammstriche. Klassische alkoholbasierte Lederfarben sollten Sie kleineren Projekten, dem Kantenfärben oder dem Airbrush-Auftrag vorbehalten, wo ihre spezifischen Eigenschaften ein Vorteil und kein Hindernis sind.
Denken Sie auch daran, dass Lederfarbe direkt aus der Flasche in der Regel stark konzentriert ist. Wenn Sie einen feineren, helleren Farbton wünschen, tragen Sie nicht weniger Lederfarbe auf (das führt zu Flecken), sondern verdünnen Sie sie mit dem dafür vorgesehenen Reducer. Für alkoholbasierte und alkohol-ölbasierte Lederfarben werden spezielle Verdünner verwendet, für wasserbasierte Lederfarben einfach Wasser. Ein letzter, entscheidender Punkt: Der reine Färbeprozess ist erst die halbe Miete. Jedes mit eindringender Lederfarbe behandelte Leder muss mit einem geeigneten Finish (z. B. auf Acryl- oder Wachsbasis) versiegelt werden, um das Pigment in den Fasern zu blockieren und es vor dem Abrieb bei der Nutzung zu schützen.
Produkte aus unserem Sortiment
- Lederfarbe — die vollständige Kategorie an Lederfarben und Färbepräparaten zur Personalisierung roher Projekte.
- Fiebing's Produkte — geschätzte amerikanische Lederpflege, darunter die von Profis bevorzugten alkohol-ölbasierten Pro Dye Lederfarben und Antik-Finish-Pasten.
- Pflanzlich gegerbtes Leder — rohe Häute und Kruponstücke mit offenen Poren, die als saugfähige Leinwand für eindringende Lederfarben dienen.
- Tokonole — japanisches Mittel zur Kantenbearbeitung, das gut mit zuvor eingefärbten Kanten zusammenarbeitet und ihnen einen glasartigen Glanz verleiht.
- CraftPoint führt keine deckenden Acryl-Lederfarben im Sortiment, doch für tiefe, haltbare Farbe auf rohem Leder empfehlen wir wärmstens unsere eindringenden Lederfarben aus der Fiebing's-Linie.







