Narbenlederpflege ist der Prozess der regelmäßigen Reinigung, Befeuchtung und des Schutzes der äußeren Schicht von echtem Leder, mit dem Ziel, seine Elastizität und Widerstandsfähigkeit gegen Rissbildung zu erhalten. Richtig gepflegtes Material altert mit Würde und entwickelt eine schöne, einzigartige Patina.
Charakteristik
Narbenleder verliert als natürliches organisches Material mit der Zeit seine ursprüngliche Feuchtigkeit. Sonneneinstrahlung, Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und tägliche Reibung führen dazu, dass die inneren Fasern austrocknen. Stelle dir die Struktur des Leders wie einen Schwamm vor, der in der Sommersonne liegen gelassen wurde – mit der Zeit wird er steif, rau und spröde, aber mit der richtigen Menge an Feuchtigkeit gewinnt er seine natürliche Spannkraft und Weichheit zurück.
Die richtige Pflege basiert auf zwei Hauptsäulen: der Entfernung von Verschmutzungen, die die Poren des Materials verstopfen, und der Zufuhr von Nährstoffen tief in seine Struktur. In der Sattlerwerkstatt verwendet man dafür spezielle Seifen (wie die traditionelle Sattelseife), tief eindringende Öle und Pasten auf Basis natürlicher Wachse. Wichtig ist, diesen Prozess schrittweise durchzuführen und dem Leder Zeit zu geben, das Mittel in seinem eigenen Tempo aufzunehmen.
Für die einen ein Nachteil, für die anderen ein Vorteil – pflanzlich gegerbtes Leder verändert nach dem Fetten fast immer seinen Farbton hin zu einem tieferen, dunkleren Ton. Im Handwerk wird dieses Phänomen oft bewusst genutzt, um einem neuen Werkstück einen edlen, leicht gealterten Charakter zu verleihen. Chromgegerbtes Leder nimmt weder Wachse noch Öle auf, behält daher seine ursprüngliche Farbe und seine Pflege beschränkt sich auf die oberflächliche Reinigung.
Anwendungen
Wann und in welchen Situationen sollte man zu Pflegeprodukten für Narbenleder greifen?
- Laufende Pflege: Regelmäßiges Abwischen von Lederwaren (Portemonnaies, Gürtel, Taschen) mit einer leichten Lotion alle paar Monate, um das Austrocknen des Narbens zu verhindern.
- Renovierung alter Projekte: Wiederherstellung der Elastizität stark ausgetrockneten, rissigen Leders mit tief eindringenden Ölen, wie z.B. Lederöl.
- Schutz vor Feuchtigkeit: Auftragen von harten Wachspasten auf Wanderschuhen oder Lederscheiden, um eine hydrophobe Barriere zu schaffen, die Wasser abweist.
- Finish eines neuen Werkstücks: Der letzte Schritt des Sattlers, bei dem das fertige Produkt eine schützende Schicht und einen leichten Glanz erhält, bevor es an den Kunden übergeben wird.
- Reinigung nach der Arbeit: Entfernen von Kleberesten, Staub von der Kantenbearbeitung oder überschüssiger Lederfarbe mit speziellen Lederseifen.
Wie wählen / worauf achten
Die Wahl des richtigen Mittels hängt in erster Linie von der Art der Lederoberfläche und dem gewünschten Endergebnis ab. Für die regelmäßige Pflege von glattem Narbenleder eignen sich leichte Lotionen und Cremes auf Bienenwachsbasis hervorragend, die das Material nähren, ohne seine Poren zu verstopfen. Wenn du mit rohem, pflanzlich gegerbtem Leder (Crust) arbeitest und es stark aufweichen und nachdunkeln möchtest, wähle reines Lederöl.
Die Auftragstechnik ist entscheidend. Produkte sollten immer in sehr dünnen Schichten (die einen Film von nur wenigen Mikrometern Dicke bilden) mit einem Baumwolltuch oder einem weichen Schwamm aufgetragen werden. Besser zwei dünne Schichten im Abstand von 12–24 Stunden auftragen als eine dicke, die dazu führt, dass das Leder klebrig wird und Schmutz anzieht. Denke daran, billige Produkte mit Silikonen und aggressiven Lösungsmitteln zu vermeiden – sie verleihen zwar einen schnellen, trügerischen Glanz, schädigen aber auf Dauer die natürliche Faserstruktur und führen zu irreversiblen Schäden.
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