Vollnarbenleder (die fachlich korrekte Bezeichnung für das englische *full grain leather*) ist in der deutschen Handwerksterminologie die gängige Bezeichnung für Naturleder mit voller, ungeschliffener Narben. Es handelt sich um die äußerst widerstandsfähige oberste Lederschicht, bei der die natürliche Anordnung von Poren, Narben und Falten des Tieres erhalten bleibt.
Was zeichnet Vollnarbenleder aus?
Im deutschen Sattlerhandwerk und in der Lederverarbeitung verwendet man den Begriff „Vollnarbenleder" oder einfach „volle Narbung". Unabhängig von der Bezeichnung handelt es sich um ein Material, das in der Sattlerei und bei Lederwaren als besonders wertvoll gilt.
Denk dir den Querschnitt des Leders wie einen alten, dichten Wald. Die Narben sind die dichten Baumkronen ganz oben, die Regen und Wind abfangen und alles darunter schützen. Die Fasern in dieser obersten Schicht sind extrem dicht und unregelmäßig angeordnet, was dem Material eine enorme Reißfestigkeit, Feuchtigkeitsbeständigkeit und Abriebfestigkeit verleiht. Im Gegensatz zu korrigiertem Narbenleder (top grain) wird Vollnarbenleder nicht mit Schleifpapier bearbeitet, um Unebenheiten zu entfernen.
Und hier liegt ein häufiger Anfängerfehler – sie suchen nach einer makellos glatten Fläche ohne eine einzige Unregelmäßigkeit und vergessen dabei, dass echtes Vollnarbenleder immer die Spuren des Tierlebens trägt. Kleine Kratzer von Büschen, Insektenstiche oder natürliche Nackenfalten sind ein Zeichen von Authentizität, kein Produktionsfehler. Mit der Zeit altert dieses Leder wunderschön und entwickelt eine einzigartige Patina.
Wofür eignet sich Vollnarbenleder?
Aufgrund seiner Haltbarkeit ist Vollnarbenleder das Material der Wahl für Projekte, die hohen Belastungen und täglichem Verschleiß ausgesetzt sind:
- Gürtelriemen: Erfordern eine Stärke von 3–4 mm. Vollnarbenleder sorgt dafür, dass der Gürtelriemen nicht an den Löchern reißt und sich nicht unter der Last ausdehnt.
- Holster und Messerscheiden: Pflanzlich gegerbtes Vollnarbenleder lässt sich hervorragend nassformen und behält über Jahre die Form des Werkzeugs.
- Premium-Lederwaren: Portemonnaies und Taschen aus diesem Material (oft 1,2–2 mm stark) können Jahrzehnte überdauern und mit jedem Jahr schöner werden.
- Pferdegeschirr und Sättel: Die Sattlerei basiert fast ausschließlich auf Vollnarbenleder, wo die Sicherheit von der Haltbarkeit des Materials abhängt.
Wie wählt man Vollnarbenleder aus und worauf sollte man achten?
Bei der Auswahl von Vollnarbenleder solltest du auf die Gerbmethode achten. Pflanzlich gegerbtes Leder ermöglicht dir das eigenständige Färben mit Lederfarbe und bei einer Stärke von mindestens 2 mm auch das Prägen und Stanzen von Mustern. Diese Methode ermöglicht auch eine glatte Kantenbearbeitung (Burnishing) mit einem Holz-Kantenglätter und entsprechender Chemie wie Tokonole. Chromgegerbte Leder sind von Anfang an weicher, ihre Kanten erfordern jedoch in der Regel ein Umklappen oder das Auftragen von Kantenfarbe.
Bei der Planung des Zuschnitts musst du natürliche Unregelmäßigkeiten berücksichtigen. Dies erfordert Erfahrung und die richtige Anordnung der Schablonen auf der Haut, um eventuelle größere Narben auf der Unterseite der Tasche oder im Inneren des Portemonnaies zu verstecken. Zum Zuschneiden eines so dichten Materials sind scharfe Werkzeuge wie ein Ledermesser (Rundmesser) oder präzise Segmentmesser erforderlich.
Produkte aus unserem Sortiment
Bei CraftPoint findest du eine große Auswahl an Vollnarbenleder, ideal für anspruchsvolle Projekte:
- Pflanzlich gegerbtes Leder — klassisches Vollnarbenleder, das du nach deinen Vorstellungen formen, prägen und färben kannst.
- Maya-Leder — unser Vorzeigeleder. Es hat eine volle Narben, die in der Gerberei leicht mattiniert wurde, was ihm einen unverwechselbaren, rohen Charakter verleiht.
- Italienisches Leder — ausgesuchte Materialien mit schönen, tiefen Farbtönen.
- Rindsleder — robuste Häute und Nackenstücke, bereit für schwere Gürtelriemen und Taschen.







