Bondedleder (geklebtes Leder) ist ein Verbundwerkstoff, der aus gemahlenen Resten von echtem Leder (meist 10–20 % des Inhalts) hergestellt wird, die mit synthetischen Polyurethan-Bindemitteln verbunden und zu gleichmäßigen Bahnen gepresst werden. Man findet es häufig in günstigen Gürtelriemen aus Filialen oder in preiswerten Möbelbezügen. Im traditionellen Sattlerhandwerk gilt es als die unterste Kategorie lederähnlicher Materialien.
Was zeichnet Bondedleder aus?
Materialien wie Bondedleder (in der Branche oft salopp „Mahlgut“ genannt) entstehen im Recyclingprozess von Gerbereiabfällen. Lederreste und -späne werden zu Staub gemahlen, dann mit starken Klebstoffen vermischt und zu flachen, langen Bahnen geformt. Auf die Oberseite wird meist eine Polyurethan-Schicht aufgebracht, die so geprägt wird, dass sie die Struktur einer echten Narben imitiert.
Stell dir eine MDF-Platte aus gepressten Sägespänen vor – Bondedleder ist genau dasselbe, nur dass hier Lederstaub statt Holz verwendet wird und eine dünne Kunststoffschicht das Furnier ersetzt.
Dieser Aufbau sorgt dafür, dass das Material auf der gesamten Fläche perfekt eben, gleichmäßig und völlig frei von natürlichen Makeln ist. Der Unterschied scheint gering, bedeutet in der Praxis aber einen vollständigen Mangel an Biege- und Dehnfestigkeit. Nach kurzer Nutzungsdauer beginnt die Deckschicht zu reißen und abzublättern, sodass ein unschöner, an Pappe erinnernder Kern zum Vorschein kommt.
Wofür eignet sich Bondedleder?
Trotz seiner Nachteile findet dieses Material breite Anwendung in der Massenproduktion, wo vor allem die Kostenoptimierung zählt:
- Günstige Gürtelriemen für Hosen: Meist als günstige Versteifung zwischen zwei hauchdünnen Narbenschichten oder als eigenständiger, mit PU beschichteter Riemen.
- Buch- und Kalendereinbände: Hier funktioniert es, weil das Material kaum arbeitet und nicht dauerhaften Zugbelastungen ausgesetzt ist.
- Budget-Möbel: Als günstigere Alternative zu echtem Leder, oft unter dem irreführenden Namen „Kunstleder“ versteckt.
- Verstärkungseinlagen: In manchen Elementen von Taschen der Massenproduktion, wo das Material unsichtbar bleibt.
Worauf achten und wie auswählen?
Lies beim Kauf fertiger Produkte aufmerksam die Etiketten. Bezeichnungen wie „genuine leather“ verbergen bei günstigen Artikeln nicht selten genau dieses geklebte Leder. Wenn du ein Anfänger im Sattlerhandwerk bist und ein billiges Material zum Üben der Naht oder für Prototypen suchst, meide Bondedleder weiträumig.
Gemahlenes Leder taugt für das traditionelle Handwerk überhaupt nicht. Man kann daran keine Kanten polieren, weil keine zusammenhängenden Fasern vorhanden sind, die sich durch Reibung verdichten ließen. Zudem kann beim festen Anziehen des Sattlergarns bei der Handnaht der Faden die geschwächte, geklebte Struktur einfach durchtrennen. Wähle stattdessen günstiges Spaltleder aus Rindsleder zum Üben, das seinen natürlichen Faserverbund behält.
Produkte aus unserem Sortiment
CraftPoint führt kein Bondedleder (geklebtes Leder) im Sortiment, denn im Handwerk setzen wir auf Materialien, die außergewöhnliche Haltbarkeit bieten. Statt Verbundwerkstoffen empfehlen wir für deine Projekte 100 % natürliche Alternativen:
- Rindsleder – vollwertige Narben- und Nackenbahnen, ideal für Gürtelriemen, Taschen und Geldbörsen.
- Pflanzlich gegerbtes Leder – natürliches Material, das wunderschön altert und eine perfekte Kantenbearbeitung ermöglicht.
- Maya-Leder – unser Flaggschiff-Leder, ideal für alle, die höchste Qualität und einen einmaligen, matten Charakter suchen.







