Crustleder ist ein Naturleder, das den vollständigen Gerb- und Trocknungsprozess durchlaufen hat, aber in der Gerberei keiner Färbung oder Oberflächenveredelung unterzogen wurde. Es handelt sich im Grunde um ein rohes Halbfertigprodukt, das nach der Gerbung seine natürliche Farbe behält und darauf wartet, vom Sattler seinen endgültigen Charakter zu erhalten.
Was zeichnet Crustleder aus?
Im Herstellungsprozess von Leder wird die Haut nach dem Gerben (pflanzlich oder chrom) getrocknet. In diesem Moment entsteht Crustleder. Stellen Sie sich Crustleder wie eine saubere, grundierte Malerleinwand vor – es ist mechanisch stabil und bereit zur Bearbeitung, wartet jedoch auf Ihre Lederfarben, Patinas und Wachse. Es hat vollständig offene Poren, was bedeutet, dass es Flüssigkeiten blitzschnell aufnimmt.
Es klingt einfach und ist es auch – vorausgesetzt, man weiß, wie man die Aufnahme der Farbe kontrolliert, denn Crustleder saugt Lederfarben wie ein Schwamm auf. Das Fehlen von Wachsen oder Lacken auf der Oberfläche gibt dem Handwerker die volle Kontrolle über das endgültige Aussehen des Werkstücks. Man kann fließende Farbverläufe (Gradienten) erzeugen, es mit Patinatechniken altern lassen oder spezielle Antik-Gele auftragen.
Es kommt am häufigsten in zwei Varianten vor, abhängig von der verwendeten Gerbungsmethode: pflanzlich gegerbtes Crustleder (hellbeige, leicht rosa) und chromgegerbtes Crustleder (oft mit einem leicht bläulichen oder grauen Farbton).
Wofür eignet sich Crustleder?
Crustleder ist die Wahl für alle, die die Farbe und Oberfläche ihres Projekts selbst bestimmen möchten.
- Handpatinierung von Schuhen: Handwerker, die maßgefertigte Schuhe (Bespoke) nähen, verwenden Crustleder, um auf dem fertigen Schuh einzigartige Farbschichten aufzutragen.
- Custom-Lederwaren: Geldbörsen und Gürtel mit Prägungen, die anschließend von Hand mit alkohol- oder wasserbasierten Lederfarben gefärbt werden. Zum Nähen solcher Produkte eignen sich Punziereisen mit einem Abstand von 3, 4, 5 oder 6 mm.
- Geschnitzte Projekte (Tooling): pflanzlich gegerbtes Crustleder mit einer Mindeststärke von 2 mm nimmt aufgrund seiner offenen Poren hervorragend Wasser auf, was die Arbeit mit einem Swivel Knife und Punziereisen erleichtert.
Wie wählt man Crustleder aus und worauf sollte man achten?
Stellen Sie vor allem sicher, wie das Leder gegerbt wurde. Wenn Sie Muster prägen, nassformen oder Kanten polieren (Burnishing) möchten, müssen Sie pflanzlich gegerbtes Crustleder (Veg-Tan) wählen. Chromgegerbtes Crustleder nimmt Prägungen nicht an und erfordert die Verwendung von Kantenfarbe. Bei der Kantenbearbeitung von pflanzlich gegerbtem Crustleder ist ein Kantenhobel in den gängigen Größen #1 oder #2 hilfreich.
Achten Sie auf die Reinheit des Narbens. Da das Leder keine deckende Veredelung besitzt, sind alle natürlichen Makel, Kratzer oder Verfärbungen sichtbar und können nach dem Färben noch deutlicher hervortreten. Wählen Sie zum Färben eine Haut mit möglichst gleichmäßiger und glatter Oberfläche. Denken Sie auch daran, dass Sie das fertige Werkstück aus Crustleder selbst schützen müssen (z. B. mit einem Acryl-Finish oder Wachs), damit es kein Wasser und keinen Schmutz aufnimmt.
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